Beirut

Beirut galt lange als queerste Stadt der arabischen Welt – heute ist die Szene leiser und vorsichtiger geworden. Nach Angriffen, Verboten und Krieg bleibt die Stadt ein Ort mit erstaunlich widerständiger Community, aber kein Reiseziel für Unbekümmertheit.

Sicherheit & Rechtslage

  • Rechtslage: Artikel 534 des Strafgesetzbuchs stellt „widernatürlichen Geschlechtsverkehr“ unter Strafe – bis zu einem Jahr Haft. Mehrere Gerichte haben seit 2007 entschieden, dass einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht darunter fallen, ein Berufungsgericht 2018 ausdrücklich; eine verbindliche Grundsatzentscheidung gibt es aber nicht, Festnahmen und Anklagen bleiben möglich.
  • Verschärftes Klima seit 2022: Das Innenministerium ordnete 2022 ein Vorgehen gegen LGBTQ-Treffen an; 2023 wurden Gesetzentwürfe eingebracht, die gleichgeschlechtliche Beziehungen ausdrücklich kriminalisieren und „Werbung für Homosexualität“ mit bis zu drei Jahren Haft bestrafen sollen. Im August 2023 griff eine extremistische Gruppe eine Dragshow in einer Bar an.
  • Polizei und Apps: Menschenrechtsorganisationen berichten von gezielten Kontrollen und Fallen über Dating-Apps sowie von Misshandlungen in Gewahrsam. Grindr war in libanesischen Netzen zeitweise gesperrt. Seien Sie mit Verabredungen über Apps besonders vorsichtig.
  • Diskretion: Halten Sie Fotos und Chats auf dem Handy sparsam, verzichten Sie auf öffentliche Zärtlichkeiten und auf sichtbare Regenbogen-Symbole. Auch in vermeintlich toleranten Vierteln kann es zu Kontrollen kommen.
  • Hinweise des Auswärtigen Amts: Das AA weist darauf hin, dass homosexuelle Handlungen im Libanon strafbar sind, der Druck auf LGBTIQ-Personen zugenommen hat und jedes als homosexuell wahrgenommene Verhalten zu einer Verhaftung führen kann. Zudem besteht eine Teilreisewarnung; von Reisen in die übrigen Landesteile wird dringend abgeraten (Stand Oktober 2026).

Die Szene

Beiruts queeres Nachtleben hatte über Jahre einen fast legendären Ruf, getragen von Bars in Mar Mikhael und Gemmayzeh, großen Partys und der ersten LGBT-Organisation der arabischen Welt, Helem. Seit 2022 hat sich die Lage deutlich verschärft: Das Innenministerium verbot LGBTQ-Veranstaltungen, und im August 2023 stürmte die christlich-extremistische Gruppe Jnoud el Rab eine Dragshow in einer queerfreundlichen Bar. Viele Menschen haben das Land seither verlassen oder gehen kaum noch aus, Partys werden eher kurzfristig und im kleinen Kreis organisiert. Die Gay Atlas nennt deshalb bewusst keine einzelnen Lokale – wer vor Ort ist, erfährt über lokale Kontakte, was gerade sicher stattfindet.

Wann hinfahren?

  • April – Juni – Frühling: Milde Temperaturen, ideal für die Corniche, die Altstadtviertel und Ausflüge – sofern die Sicherheitslage Reisen überhaupt zulässt.
  • September – Oktober – Spätsommer: Das Meer ist noch warm, die Stadt weniger heiß; vor jeder Planung die aktuelle Reisewarnung des Auswärtigen Amts prüfen.

Praktische Tipps

  • Das Auswärtige Amt rät derzeit dringend von Reisen in weite Teile des Libanon ab und warnt vor Reisen in die südlichen Vororte Beiruts – prüfen Sie die Lage unmittelbar vor der Reise.
  • Verzichten Sie auf Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit und auf queere Posts in sozialen Medien während des Aufenthalts.
  • Treffen Sie Bekanntschaften aus Apps zunächst nur an belebten, öffentlichen Orten und erzählen Sie jemandem, wo Sie sind.

Redaktionell recherchiert, Stand Oktober 2026. Event-Termine bitte jährlich beim Veranstalter prüfen. Sicherheitslage und Rechtslage vor der Reise unbedingt aktuell beim Auswärtigen Amt prüfen.